Grundlagen
Hebekissen sind hochleistungsfähige Rettungsgeräte der technischen Hilfeleistung. Sie erzeugen durch Druckluft oder Hydraulikdruck enorme Hubkräfte auf kleinstem Raum und können in Spalten eingeschoben werden, die für andere Geräte nicht zugänglich sind – etwa unter einem Fahrzeug, unter einem eingestürzten Balken oder unter einer Betonplatte. Die FwDV 1 behandelt Hebekissensysteme in Kapitel 12.7 als Teil der Geräte zum Heben, Ziehen, Spreizen und Bewegen von Lasten. Neben der enormen Hubkraft ist der niedrige Einsteckhub ein entscheidender Vorteil: Hebekissen können schon bei sehr geringen Spalten von wenigen Zentimetern eingesetzt werden.
Typen von Hebekissen
Typ Betriebsmittel Hubkraft (typisch) Einsteckhub
Niederdruckkissen (FlachbeDurtuecl)kluft (max. 0,8 bar) bis 70 kN (~7 t) 1–4 cm Hochdruckkissen Druckluft (bis 8–9 bar) 50–1.000 kN (~5–100 t)2–5 cm
Hydraulisches HebekissenHydrauliköl sehr hohe Kräfte 1–3 cm
[Ergänzt durch allgemeine Ausbildungsinhalte:] In der kommunalen Feuerwehr dominieren Hochdruckhebekissen mit Druckluft. Niederdruckkissen (Flachbeutel, Airbags) werden ergänzend eingesetzt, haben aber geringere Hubkraft bei größerer Fläche.
Einsatzmöglichkeiten (FwDV 1, Kap. 12.7)
- Person unter Fahrzeug: Anheben des Fahrzeugs zur Rettung
- Person unter schwerer Last: Betonplatte, Maschinenteile, Trümmer
- Stabilisierung: Fahrzeug oder Last gegen Kippen sichern
- Aufweiten von Klemmstellen: Türen, Karosserieteile
- Abstützen eingestürzter Bauteile bei Trümmerlagen
Sicherheitsmaßnahmen (FwDV 1, Kap. 12.7)
- Hebekissen immer auf ebenem, tragfähigem Untergrund einsetzen
- Maximaldruck laut Herstellerangaben (Typenschild) einhalten
- Maximale Hubhöhe beachten – Kissen nicht überdehnen
- Jede Hubstufe sofort durch Unterbauen sichern (Keilholz, Abstützbalken)
- Niemals unter einer nur durch Hebekissen gehaltenen Last arbeiten
- Druckleitungen auf Beschädigungen prüfen vor Gebrauch
- Kissen nie mit scharfen Kanten in Berührung bringen
- Inkompatible Systeme verschiedener Hersteller NIEMALS ohne Prüfung kombinieren
Typischer Ablauf: Fahrzeug anheben
- Erkundung — Einsteckspalt vorhanden? Untergrund tragfähig? Kippgefahr? Größe und Hubkraft der Last abschätzen.
- Unterlagen platzieren — Holzbohle oder Gummimatte unter Kissen (Rutschschutz) und auf der Last (Schutz Kissen).
- Kissen einschieben — Möglichst mittig unter den Lastangriffspunkt. Druckschlauch anschließen.
- Langsam aufpumpen — Druck langsam aufbauen. Kontrolle: hebt die Last gleichmäßig?
- Unterbauen — Sofort nach jeder Hubstufe (ca. 5–10 cm) Keilholz oder Abstützblock unter die Last schieben.
- Rettung durchführen — Person befreien. Dann Last kontrolliert absetzen: zuerst unterbauen, dann Druck ablassen.
Rechtsgrundlagen
- FwDV 1 – Grundtätigkeiten Lösch- und Hilfeleistungseinsatz, Kap. 12.7
- UVV Feuerwehren (DGUV Vorschrift 49)
- Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
- Herstellerangaben zu Drücken, Lasten, Hubhöhe
Häufige Fehler
- Kein Unterbauen nach dem Heben – Last fällt zurück bei Druckverlust
- Kissen auf unebenem oder weichem Untergrund – kippt beim Aufpumpen
- Überdruck durch falsches Gerät – Kissen platzt
- Person arbeitet unter ungesicherter Last
- Inkompatible Systeme kombiniert – Druckverlust oder Bruch
Quellenangaben
Datei: FwDV 1 – Grundtätigkeiten Lösch- und Hilfeleistungseinsatz, Stand: September 2006
Abschnitt: Kapitel 12.7 (Hebekissensysteme), Seiten 81–85
Ergänzt durch allgemeine Ausbildungsinhalte (Typen, Drücke, Unterlagen, Abstützen).